DÖW Centre 

A House for the Documentation Centre of Austrian Resistance (DÖW)
Master studio with Visiting Professor Johann Moser ︎︎︎BWM Architekten
Winter semester 2019-20 
Final presentation with guests: Daniel Gethmann (TU Graz), Martin Feichtner (Atelier Hobiger Feichtner), DÖW Director Gerhard Baumgartner, Johann Moser (BWM) and Andreas Lechner (TU Graz)




Gemeinsam mit Gastprofessor Johann Moser, Gründungspartner des vielfach ausgezeichneten Wiener Architekturbüros BWM Architekten, widmeten wir uns im letzten Wintersemester einer entwerferischen Herausforderung, die besonders deutlich macht, dass Gebäude immer in zwei zeitlich völlig unterschiedlich gelagerte “Funktionen” verwickelt sind. Anhand des Entwurfs eines neuen Gebäudes für das Dokumentationsarchiv des österreichischen Widerstandes (DÖW) in Wiens erstem Bezirk begannen wir zunächst die wandel-, diskutier- und damit veränderbaren Funktionen von Zweck und Repräsentation zu untersuchen. Während der Zweck auch für fiktive Bauaufgabe heute typischerweise flexibel ist — Multifunktionalität in Form eines Büro-, Archiv- und Ausstellungsgebäudes mit rund 3000 m2 Nutzfläche — stellt die symbolische Dimension der Institution DÖW ebenso wie ihre angenommene Lage am Schmerlingplatz die anspruchsvollere – und vermeintlich unzeitgemäße – Frage nach einer angemessenen Form von Dauerhaftigkeit und Monumentalität. Treten die Entwürfe mit dem Historismus des 19. Jahrhunderts — Parlament, Justizpalast, Palais Epstein, Palais Bartenstein etc. — in Dialog oder forcieren sie einen skulpturalen “Gesprächsabbruch”?  

Die Lehrveranstaltung begann mit einer Exkursion zum Peršmanhof im südkärntnerischen Bad Eisenkappel, wo am 25. April 1945 durch NS-Einheiten noch ein Massaker an elf Zivilisten verübt wurde und heute ein Museum zu Geschichte und Widerstand der Kärntner Slowenen während der Zeit des Nationalsozialismus eingerichtet ist. Eine zweite Exkursion nach Wien bestand aus einer Führung durch das in einem Barockpalais im ersten Bezirk untergebrachte Dokumentationsarchiv mit Dauerausstellung, Archiv- und Bibliotheksbereichen, die für den Entwurf einer Neukonzeption unterzogen werden sollten. Eine weitere Führung leitete Johann Moser, nicht zuletzt weil er mit seinem Büro den Wettbewerb zur Gestaltung der Ausstellung zur österreichischen Zeitgeschichte in der Neuen Burg (Hofburg) — „Haus der Geschichte Österreich“ — gewonnen und umgesetzt hat, die am 10. November 2018 rund um die Feierlichkeiten zum 100. Jahrestag der Ausrufung der demo- kratischen Republik Österreich eröffnet wurde.

Für die Entwurfsaufgabe ließ sich, ähnlich wie es die Debatten um das „Haus der Geschichte Österreich“ über ein Jahrzehnt lang gezeigt hatten, von einem allmählichen Wandel in der österreichischen Erinnerungspolitik ausgehen. Eine aktive und meinungsbildende Rolle dieser wichtigen Institution könnte daher auch im Stadtraum — zwischen Justizministerium, Parlament und Museumsquartier — prominent und widersprüchlich eingefordert werden. Mit umfangreichen Referaten zu historischen und zeit-historischen Themen wurde das Recherche-„Netz“ zu Beginn bewusst sehr breit und umfangreich ausgeworfen, um möglichst viele Themenbereiche für mögliche Dialoge der Entwurfsarbeit zugrunde zu legen. Wie Ordnung und Widerspruch, Ambivalenz und Manierismus, Intuitives und Kontra-intuitives im 21. Jahrhundert gestalterisch gedacht werden könnten, heißt hier baulich das Gespräch  sowohl mit den radikalen künstlerischen Konzeptionen des 20. als auch den historistischen des 19. Jahrhunderts zu suchen. Mögliche Dialoge könnten auf der Ebene der Tektonik — der tatsächlichen Materialisierungen der Ringstraße bzw. der Gründerzeitbauten als Ziegel- und Mauermassenbauwerke mit Stein, Holz, Putz und Stuck — geführt werden, die mit Strategien der Verfremdung die Fügung und Komposition aufbricht oder unterläuft. Dada und Surrealismus geben Hinweise, wie die Wiener Moderne, die Bauhausmoderne und die Postmoderne — decorated sheds, ducks — für Ambivalenzen im Ausdruck ins Kalkül gezogen werden könnten. Auf der Ebene des Typus wurden Referate zu vergleichbaren Bauten gehalten, auf der Ebene der Wiener Ringstraße zu den wichtigsten Bauwerken und Protagonisten der Wiener Moderne und deren polemischen Geschmacks- und Angemessenheitsdiskursen, bevor es mit ersten Annäherungsübungen beim Entwerfen losging, die sich zunächst der Frage widmeten, wie räumlich und konkret, symbolisch und im übertragenen Sinne „Widerstand“ gegen und mit den Bauten,  Verkehrs- und Grünflächen am Ort zu einem schlüssigen Konzept geführt werden könnte.

Die Referate lieferten dazu Hinweise und Fährten — etwa zur Nachkriegsgeschichte Österreichs, zur Geschichte des Dokumentationszentrums des Österreichischen Widerstandes, zur Wiener Ringstraße, zur Gründerzeit allgemein, zum Natur- und zum Kunsthistorischen Museum, zum Rathaus und Burgtheater, zur Hofburg und Nationalbibliothek, zu Adolf Loos ebenso wie zur „Topographie des Terrors“ in Berlin von Peter Zumthor (2000), zum Shoah Memorial in Drancy von Diener & Diener Architekten (2006–2011) wie zu Adolf Hitlers Geburtshaus in Braunau, zum Erweiterungsbau des Jüdischen Museums Berlin von Daniel Libeskind (1989–1999) ebenso wie zu Dada, Futurismus, Kubismus, Surrealismus und Dekonstruktivismus … zum Architekturphänomen der „Grazer Schule“ bzw. zum Dokumentationszentrum Reichsparteitagsgelände in Nürnberg von Günther Domenig (1998–2001) ebenso wie zur vergleichbaren Entwurfsaufgabe „Casa della Memoria“ in Mailand (2015), entworfen vom italienischen Architekturkollektiv Baukuh

Das Semester wurde in Kooperation mit Daniel Gethmann und Waltraud Indrist vom Institut für Architekturtheorie, Kunst- und Kulturwissenschaften organisiert, die in ihrer Projektübung eine Wanderausstellung „Topographie des Widerstands in der Steiermark. 1938–1945“ konzipierten. Zur Schlusspräsentation konnten wir die Projekte außerdem mit dem Direktor des DÖW, Dr. Gerhard Baumgartner, diskutieren, bei dem die Arbeiten auf großes Interesse stießen.

Fotos Schlusspräsentation: © Theresa Schleinitz

Modellfotos: © Helmut Tezak









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